Web 2.0 – die Welt wächst zusammen…

In der Kommunikation passieren in unserer Zeit revolutionäre Veränderungen: die Welt wächst zusammen und fast jeder – sofern er Zugriff auf das Internet hat – kann mit jedem kommunizieren… Täglich nehmen diese Möglichkeiten zu…

Gestern chattete ich mit Ellen Adu Amankwah, einem 22-jährigen Mädchen aus Kumasi, Ghana. Sie saß in einem Internetcafe und suchte in Skype einfach unter dem Eintrag “Hans”. 1$ kostete sie der Spaß – die Verbindung klappte und sie konnte mich sogar per Webcam an meinem Computer sehen. Leider gab es in ihrem Cafe keine Webcam, doch sie schickte mir einfach ein Foto von sich über die Skype-Verbindung. Ich schaute unter Google Earth nach, wie ihr Wohnort denn nun aussieht. Ich wollte ihre genauen Koordinaten wissen, damit ich auch ihr Haus finden könnte. Leider durfte sie Google Earth in ihrem Internetcafe nicht installieren. Trotzdem hatten wir – ich mit meinen geringen Englischkenntnissen aus der Schule – eine gute Konversation. Sie erzählte von ihrer Mutter, die auf dem Markt Gemüse verkauft, und von ihrem Haus, in dem sie mit Schwestern, Brüdern, Eltern und Großeltern zusammen wohnt. Und sie hat einen großen Traum: sie möchte Krankenschwester werden. Aber das ist nicht so einfach, denn jedes Ausbildungsjahr kostet sie zwischen 300-500 $. Und dann kam natürlich die Frage: kannst du mir da irgendwie helfen? Puuuh, ich sitze ich in meiner guten Stube, bin gut versorgt, und an einem anderen Ende der Welt fragt mich jemand um Hilfe… In meiner Not habe ich ihr erstmal zugesagt, mich zu kümmern. Ich habe mein schlechtes Gewissen damit ein wenig beruhigt – doch seitdem geht mir Ellen durch den Kopf…

Ich fragte einen afrikanischen Kollegen in Berlin, wie ich mich in diesem Fall verhalten sollte. Er berichtete mir von täglichen Anfragen aus Afrika, wo er z.B. um die Zusendung von Anti-Baby-Pillen und vieles mehr gebeten wird. Er als Afrikaner sollte doch seinen “afrikanischen Brüdern und Schwestern” zu Hilfe kommen. Er hat sich mittlerweile daran gewöhnt. Für mich ist diese Situation neu.

Wenn ich heute in der Zeitung lese, dass mindestens 300 Flüchtlinge aus Afrika in ihrem Boot an der libyschen Küste gekentert und ertrunken sind, so sehe ich das jetzt mit anderen Augen. Diese Flüchtlinge suchen ihre Chance. Wie könnte man es sich verzeihen, es nicht wenigstens einmal versucht zu haben. Was haben diese Flüchtlinge schon zu verlieren? Wer könnte ernsthaft erwarten, dass Afrikaner auf ihrem heruntergewirtschafteten Kontinent ausharren in der Hoffnung, es könnte eines Tages aus heiterem Himmel besser werden? Seit 1988 sind an den EU-Außengrenzen 13.444 Menschen ums Leben gekommen – und das sind nur die offiziellen Zahlen des europäischen Flüchtlingsrats. Wie viele tatsächlich ertrunken sind, weiß niemand.

Ellen Adu Amankwah, ein Mädchen aus Kumasi, Ghana, wird wohl für lange Zeit in meinem Kopf herumschwirren – stellvertretend für all die anderen, die einfach nur eine Chance suchen, die ihnen das Leben verwehrt…

CIAO Hans

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